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[ 19. Juli 2010 ]
Projektbeginn: "Algen gegen Krebs"

Forschungsallianz formiert sich im Kampf gegen Krebs mit Algen

Drei Biotechnologie-KMU aus Kiel, Regensburg und Berlin sowie drei namhafte Einrichtungen der Christian-Albrechts-Universität (CAU) aus Kiel haben sich zu einem Forschungsverbund zusammengeschlossen, um antitumorale Wirkungen von Algen-Inhaltsstoffen genauer zu untersuchen.

In den vergangenen Jahren konnte das auf Marine Biotechnologie spezialisierte Kieler Unternehmen Coastal Research & Management (CRM) in Kooperation mit der Sektion für Stammzell- und Immuntherapie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) zeigen, daß Inhaltsstoffe verschiedener in der Ostsee heimischer Makroalgen das Wachstum bestimmter Krebszellen hemmen. Das Wirtschaftministerium des Landes Schleswig-Holstein hatte dieses Vorhaben zwei Jahre unterstützt.

Die beiden genannten Vorreiter und weitere Kooperationspartner wollen nun im Rahmen eines vom BMBF geförderten Projektes (Programm „KMU-innovativ“) Struktur und Wirkmechanismen neu definierter Inhaltsstoffe aus diesen potenten Algen aufklären. Dabei soll mit innovativen Methoden der Genom- und Metabolomanalyse die Korrelation zwischen Wirkstoffgabe und zellulärer Antwort untersucht werden, einschließlich möglicher synergistischer Wirkungen mehrerer Substanzen. Zum  Verbundteam gehören außerdem die Lipofit GmbH (NMR-Analytik), die ImaGenes GmbH (Microarray-Techniken), das Pharmazeutische Institut der CAU und das Institut für Experimentelle Tumorforschung des Krebszentrums Nord.

Die Vorgehensweise umfaßt mit der Expertise der neuen Partner ein ausgewähltes Spektrum an Analysemethoden, die unabhängig voneinander vorhandene Wirkungsmechanismen aufschlüsseln können und in ihrer Summe ein effizientes und neuartiges Verfahren darstellen. Präklinische Untersuchungen sollen dabei zur Beschreibung der Wirkungsweise bei verschiedenen Krebsarten (Gastrointestinaltrakt, Lunge, hämatologische Tumoren) durchgeführt werden. Dabei liegen relevante molekulare Mechanismen der Tumorprogression, wie Angiogenese, Adhäsion und Tumorinvasion sowie (anti-)inflammatorische Aspekte bei der Tumorbehandlung und Resistenzen gegen Therapeutika im Fokus der Wirkungstests.

Levent Piker, geschäftsführender Gesellschafter von CRM und oceanBASIS, begründet die Initiative seines Unternehmens: „Die Ergebnisse waren so aussichtsreich, daß wir beschlossen, erste Schritte in Richtung Verwertung zu gehen. Uns war klar, daß dies allein nicht gehen würde und wir sind sehr froh über die Kooperation mit den anderen Partnern und natürlich über die finanzielle Unterstützung.“

Professor Holger Kalthoff vom Institut für Experimentelle Tumorforschung des Krebszentrums Nord ergänzt: „Die Stärke unseres Ansatzes spiegelt sich im Zusammenschluss von Experten aus zielorientiert abgestimmten Wissens- und Technologiebereichen: Physiologie, Ökologie und Kultivierung von Algen, Extraktion, Aufreinigung und besonders die pharmakologische Bewertung der Substanzen sowie die NMR-Analytik und Microarray-Technik. Wir erwarten nützliche Erkenntnisse für die translationale Krebsforschung und haben auch eine hohe Kompetenz für präklinische in vivo Testungen.  In der Vergangenheit sind schon viele Mäuse vom Krebs geheilt worden ohne anschließenden Erfolg in der klinischen Realität. Unsere Tumormodelle sind so komplex wie der Krebs beim Patienten schwierig ist – aber wenn wir da erfolgreich sind, ist die Chance auf einen weiteren Erfolg in der klinischen Praxis höher“

Eine wirtschaftliche Verwertung der Projektergebnisse liegt im Verkauf von Patenten eines oder mehrerer Wirkstoffe, die sich als effiziente Krebs-Therapeutika eignen könnten.
Das Verbundvorhaben wird voraussichtlich etwa 1,9 Mio. Euro kosten, von denen 1,2 Mio. Euro vom BMBF gefördert werden. Dieses Projekt ist für CRM das bisher umfangreichste.

 

Montag, 06. Februar 2012